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WWW - Lizenz zum Surfen
1. Warum ist die Nutzung des Internets im schulischen Unterricht sinnvoll? 1.1. Allgemeines: Es ist eine zentrale Aufgabe der Schule, den Schüler so weit zu bilden, dass ihm später die Selbstver-wirklichung im Beruf und im privaten Leben gelingt und dass er den Ansprüchen, die die Gesellschaft in der Zukunft einmal an ihn stellen wird, gerecht werden kann. Ein wesentlicher Faktor hierbei sind die revolutionären Veränderungen der Kommunikationsmöglichkeiten durch das "Internet". So ist das Internet ein unverzichtbarer Bestandteil der Medienkompetenz, die unsere Schule den Schülern vermitteln muss. Auszug aus den Grundlagen und Leitlinien des neuen Hauptschullehrplans: "Die Bildungsarbeit der Hauptschule ist dem praktischen Leben zugewandt, nimmt dieses aber nicht zum alleinigen Maßstab. Sie befähigt die Schüler zur Teilnahme an ihm und lässt sie zugleich die Distanz gewinnen, die sie zu einer verantwortlichen Bewährung in diesem Leben brauchen." (2. Der Auftrag der Hauptschule - 2.3. Wertorientierung) "Eine neue Aufgabe wächst der Schule mit der Einführung in Grundlagen der Informations- und Kommunikationstechniken zu." (4. Unterricht in der Hauptschule - 4.4. Schlüsselqualifikationen) "Multimediales Arbeiten und Informationsgewinnung aus Datennetzen ermöglichen neue Formen des Lehrens und Lernens." (4. Unterricht in der Hauptschule - 4.6. Lehr- und Lernformen) Neben dem Erwerb der Medienkompetenz gibt es noch eine ganze Reihe weiterer Gründe, das Internet und die damit verbundenen neuen Kommunikations-möglichkeiten im Unterricht zu nutzen. Die wichtigsten in Stichpunkten:
Nicht zuletzt sind der hohe Motivationsgrad der Schüler beim Surfen im Internet sowie die Vorgaben des amtlichen Lehrplans zu erwähnen. Auch die Schule selbst gewinnt durch die Nutzung des Internets. Nirgendwo sonst außer mittels einer eigenen Homepage im Internet bietet sich eine adäquate Möglichkeit, die eigene Schule einer weltweiten Öffentlichkeit zu präsentieren - und das aktuell, multimedial und interaktiv. Auszug aus den Grundlagen und Leitlinien des neuen Hauptschullehrplans: "Damit Schulleben gedeihen kann, ist es für Schüler und Lehrer wichtig, dass ihre Schule von der Öffentlichkeit beachtet wird und Ansehen genießt. Die Schule bemüht sich deshalb darum, ihre Bildungs- und Erziehungsarbeit der Öffentlichkeit vorzustellen. Alle Formen schulischer Aktivitäten, in denen Lehrer und Schüler die vielfältigen Möglichkeiten der Hauptschule darstellen, sind dazu geeignet." (5. Schulleben, Schulkultur - 5.7. Darstellung nach außen) 1.2. Nutzung im Informatikunterricht: Ziel des Informatikunterrichts ist es unter anderem, dass die Schüler die Handhabung eines Programms zum Surfen im Internet - einem Web-Browser - erlernen. Sie sollen die Bedeutung und Funktion von Hyperlinks erkennen und mit ihrer Hilfe die Navigation im Internet vollziehen. Weiterhin sollen sie das Verfassen und Senden einer Email erlernen sowie die Vorgehensweise erfahren, wie Emails vom Informationsserver abgerufen werden können. Auszug aus dem neuen Hauptschullehrplan für das Fach Informatik:
Auch im Kaufmännisch-bürotechnischen Bereich sind ähnlich gelagerte Inhalte im Lehrplan zu finden. Auszug aus dem neuen Hauptschullehrplan für den Kaufmännisch-bürotechnischen Bereich:
1.3. Nutzung im Fachunterricht: Eines der wichtigsten Arbeitsmittel im Fachunterricht der Hauptschule ist nach wie vor das Schulbuch. Es ist auf den Lehrplan abgestimmt und bietet Informationen in sehr komprimierter Form. Ein Problem des Schulbuchs ist jedoch - zumindest in einigen Fächern - seine Aktualität. So verursacht beispielsweise ein Erdkunde- oder Geschichtsbuch, das die neuesten politischen Veränderungen aufgrund seines Erscheinungsdatums nicht mehr berücksichtigt, oft nicht unerhebliche Probleme im Unterricht. Hier besitzt das Internet einen seiner größten Vorteile. Die hier zu findenden Daten sind in der Regel von hoher Aktualität. Außerdem sind sie oft multimedial aufbereitet, d. h. man findet zu dem gesuchten Thema nicht nur Texte, sondern oft auch Bildmaterial sowie Video- und Tondokumente. Ein weiterer wichtiger Aspekt für den Fachunterricht ist die Kommunikation im Internet per Email, die Beteiligung an "News-Groups" oder das sogenannte "Chatten". Mittels Email lassen sich Nachrichten mit anderen Personen oder Institutionen in schriftlicher Form austauschen. So lässt sich beispielsweise im Schulbereich eine Partnerschaft zwischen zwei Schulen aufbauen. Gemeinsame Projekte sind hier ebenso möglich wie der einfache Erfahrungs- oder Informationsaustausch. Einen besonderen Reiz bietet die Kommunikation mit fremdsprachigen Schulen. Hier gewinnt nicht nur der Fremdsprachenunterricht, sondern auch das interkulturelle Lernen. Durch die Beteiligung an News-Groups oder durch Chatten lernen die Schüler viel im Bereich des englischen Sprachgebrauchs, da die Standardsprache des Internets Englisch ist. Allerdings ist dabei zu beachten, dass hier nur selten in reinem "Oxford-Englisch" kommuniziert wird. Vielmehr sind in diesem Bereich die unterschiedlichsten Dialekte und Slangs zu finden - was aber nur die Lebenswirklichkeit widerspiegelt.
2. Wo finde ich als Lehrer die richtigen Informationen? Angebote speziell für Lehrer sind unter folgenden Adressen zu finden:
3. Schulbuchverlage im Internet: Schulbuchverlage bieten auf ihren Internetseiten nicht nur Informationen über Schulbücher, sondern auch über Lernprogramme, die teilweise genau auf diese Druckwerke abgestimmt sind. Oft lassen sich auch Demoversionen dieser Programme aus dem Internet herunterladen:
4. Suchdienste im Internet: Werden die benötigten Informationen nicht auf bekannten Internetseiten gefunden, so sind Suchdienste oft sehr hilfreich. Der gesuchte Begriff wird in das dafür vorgesehene Feld eingegeben und die Suche mittels Mausklick gestartet. Werden zu viele (unbrauchbare) Treffer angezeigt, kann das Suchergebnis durch erweiterte Suchoptionen oft noch besser eingegrenzt werden.
Hier ein Überblick über die wichtigsten Suchdienste:
5. Shareware-Quellen: Auch im schulischen Bereich ist der Einsatz von Shareware gelegentlich sinnvoll:
6. Gefahren durch das Internet: Das World Wide Web bietet einerseits eine wertvolle Informationsfülle, die im Unterricht und zur Unterrichtsvorbereitung genutzt werden kann. Andererseits steckt aber gerade in dieser Informationsfülle auch eine Gefahr für unsere Schüler, wenn diese nicht verantwortungsbewusst mit dem neuen Medium umgehen. Internetseiten mit pornographischen Inhalten sind genauso leicht abrufbar wie Seiten mit gewaltverherrlichenden Inhalten. Hier muss die Schule ihrem Erziehungsauftrag gerecht werden und in enger Zusammenarbeit mit dem Elternhaus die Schüler zum eigenverantwortlichen Surfen im Internet anleiten. Mögliche Kontrollmechanismen zur Überwachung des Surfverhaltens der Kinder können diesen Erziehungsauftrag unterstützen und sinnvoll ergänzen, sind aber sicherlich kein Allheilmittel, da Schüler ihren Eltern und oft auch ihren Lehrern in der Kenntnis gewisser "Tricks" überlegen oder mindestens ebenbürtig sind. Hier ein Auszug aus einem Interview des Bayerischen Rundfunks, das von BR-Online mit mir für eine Fernsehsendung aus der Reihe "Bürger-Aktiv" im 3. Bayerischen Fernsehen im Februar 1999 gemacht wurde: BR-online: Das World Wide Web erreicht auch die fränkische Provinz. Sind jetzt auch die behüteten Landkinder neuen Gefahren ausgesetzt? Wißgott: Auch auf dem Land ist die Welt heute nicht mehr so sehr in Ordnung, wie es landläufig angenommen wird. Die Probleme treten aber wahrscheinlich nicht so gehäuft auf wie in der Großstadt. Dass durch das Internet neue Gefahren auf unsere Kinder zukommen, würde ich nicht pauschal bejahen. Sicherlich gibt es Internetseiten mit jugendgefährdenden Inhalten wie Gewaltverherrlichung und Pornografie, aber unsere Kinder sind diesen Themen auch in anderen Medien wie dem Fernsehen - der Bayerische Rundfunk gehört wie die übrigen öffentlich-rechtlichen Sender sicherlich zu den löblicheren Beispielen - und der wahren Flut von Sex-Magazinen, die in vielen Geschäften oft unkontrolliert auch an Jugendliche verkauft werden, ausgesetzt. Außerdem muss man die für den schulischen Unterricht positiven Aspekte des Mediums "Internet" sehen. BR-online: Interessieren sich Kinder und Jugendliche von sich aus für das Internet oder werden sie erst durch Schulprojekte oder Eltern angeregt, das Netz zu erforschen? Wißgott: Meine persönlichen Erfahrungen zeigen, dass ein großer Teil der Jugendlichen ab einem Alter von zehn bis zwölf Jahren bereits außerhalb der Schule Erfahrungen mit dem Computer und dem Internet gesammelt hat. Manche dieser Schüler sind in diesem Bereich sogar weiter als ihre Lehrer. Dies ist eine Herausforderung für die amtliche Lehrerfortbildung. Meine Schüler würden am liebsten noch öfter als bisher "in den Computerraum gehen", um im Internet zu surfen. Nichtsdestoweniger sind Förderprogramme für die Verbreitung der neuen Kommunikationsmedien nach wie vor dringend erforderlich. Hier gibt es bereits viele lobenswerte Ansätze für Schulprojekte, die jedoch von manchen Schulen noch intensiver genutzt werden sollten. Unsere Schule erhielt beispielsweise in den letzten beiden Jahren nicht unerhebliche Fördermittel von dem bundesweit tätigen Förderverein "Schulen ans Netz", von der bayerischen Bildungsoffensive "Bayern Online" und von dem Projekt "Offene Schule 2001", einer Einrichtung der "Initiative Praktisches Lernen e.V." und der Microsoft GmbH unter der Schirmherrschaft von Ministerpräsident Edmund Stoiber. Berichte hierzu befinden sich auf unserer Schulhomepage. Auf der anderen Seite gibt es bereits sehr viele Schulen, die schon seit längerem "online" sind. Ein Besuch des Schulwebs, des Bayerischen oder des Deutschen Bildungsservers belegt dies. BR-online: Ist es notwendig, Kindern und Jugendlichen den Zugang zum Internet zu ermöglichen? Wißgott: Es ist eine zentrale Aufgabe der Schule, den Schüler so weit zu bilden, dass ihm später die Selbstverwirklichung in Beruf und im privaten Leben gelingt und dass er den Ansprüchen, die die Gesellschaft in der Zukunft an ihn stellen wird, gerecht werden kann. Ein wesentlicher Faktor sind dabei die revolutionären Veränderungen der Kommunikationsmöglichkeiten durch das "Internet". So ist das Internet ein unverzichtbarer Bestandteil der Medienkompetenz, die die Schule den Schülern vermitteln muss. Neben dem Erwerb der Medienkompetenz gibt es noch eine ganze Reihe weiterer Gründe, das Internet und die damit verbundenen neuen Kommunikationsmöglichkeiten im Unterricht zu nutzen. Die wichtigsten sind:
Nicht zuletzt sind der hohe Motivationsgrad der Schüler beim Surfen im Internet sowie die Vorgaben des amtlichen Lehrplans zu erwähnen. BR-online: Welche Gefahren birgt das Internet für Kinder und Jugendliche? Wißgott: Gefahren bilden zum einen jugendgefährdende Seiten mit gewaltverherrlichenden und pornografischen Inhalten. Weniger bekannt sind Gefahren durch Internetseiten der sogenannten "Hackerszene". Finden Jugendliche die Internetadressen solcher Angebote heraus, erhalten sie Zugang zu Programmen, mit denen sie - das entsprechende Knowhow vorausgesetzt - über das Internet in andere Computer eindringen und diese manipulieren können. Andere Programme oder Dateien enthalten Sammlungen von Schlüsseln zur rechtswidrigen Registrierung von kommerziellen Programmen oder verändern diese Programme so, dass sie ohne Kenntnis des Registrierungsschlüssels als Raubkopie eingesetzt oder verbreitet werden können. Gelegentlich werden auch direkt Raubkopien von Programmen und Musikstücken (Midi-Files) angeboten. Nicht zuletzt sind auch Programme zur Konstruktion von Computerviren direkt aus dem Internet herunterzuladen. Haben Jugendliche die Gelegenheit, völlig unkontrolliert im Internet zu surfen, kann aus einem Hobby schnell eine Gewohnheit und später eine richtige Sucht entstehen. Dies kann neben der Problematik der dadurch ausufernden Telefon- und Providerkosten auch zur Vereinsamung, Abkapselung oder anderen zwischenmenschlichen Defiziten führen. Diese Gefahr besteht meines Erachtens jedoch nur bei einer wirklich exzessiven und unkontrollierten Nutzung des Internets und nicht bei der üblichen Handhabung dieses Mediums. BR-online: Wie können Eltern Ihre Kinder vor diesen Gefahren schützen und wie beurteilen Sie die Effizienz technischer Lösungen? Wißgott: "Technische Lösungen" sind sicherlich eine Möglichkeit, den Besuch bestimmter Seiten zu unterbinden. Rudimentäre Ansätze finden sich hierzu in den neueren Versionen mancher Web-Browser. So können im Internet Explorer der Firma Microsoft ab der Version 4.0 beispielsweise im Menüpunkt "Internetoptionen" unter dem Register "Inhalte" Filter für bestimmte Internetinhalte eingerichtet werden. Der Netscape Communicator besitzt solche Möglichkeiten bis zur Version 4.5 noch nicht. Es gibt jedoch einige Programme in der Shareware-Szene und auf dem kommerziellen Sektor, die solche Funktionen anbieten. Ein Blick auf die Angebote des Tucows-Servers kann interessierten Eltern nur empfohlen werden. Der Einsatz solcher Mittel gleicht oft einer Sisyphusarbeit. In der Regel können nur solche Internetadressen herausgefiltert werden, die den Eltern bekannt sind. Enthalten solche Programme bereits einschlägige Linksammlungen, sind diese oft auf US-Angebote bezogen oder sind bei weitem nicht immer aktuell oder gar vollständig. Auch die Filterung mittels einer Suche nach bestimmten Schlüsselbegriffen auf den Internetseiten bietet keinen hundertprozentigen Schutz. Wichtiger ist meines Erachtens jedoch, dass Kinder und Jugendliche lernen, bewusst und eigenverantwortlich mit dem neuen Medium umzugehen. Voraussetzung hierfür ist in erster Linie das Elterngespräch in einer vertrauensvollen Atmosphäre. Kinder und Jugendliche müssen über mögliche Gefahren aufgeklärt werden und diese auch einsehen. Gerade weil Jugendliche oft besser mit dem Medium vertraut sind als ihre Eltern, sind oben genannte restriktive Maßnahmen nicht selten leichter auszuhebeln als Eltern dies vermuten. BR-online: Können Eltern ihren Kindern generell erlauben, alleine zu surfen oder erst ab einem gewissen Alter?" Wißgott: Ich würde diese Erlaubnis nicht vom Alter, sondern von der Einsicht und der Zuverlässigkeit der Kinder abhängig machen. Ab einem gewissen Alter (spätestens ab 18) wird jedoch eine generelle Erlaubnis nicht mehr verweigert werden können. BR-online: Wenn Jugendliche alleine im Internet surfen, inwieweit sollten Eltern sie danach 'überwachen' - zum Beispiel E-Mail lesen und Cache einsehen? Wißgott: Es spricht nichts dagegen, wenn besorgte Eltern dem bewährten Grundsatz "Vertrauen ist gut - Kontrolle ist besser" folgend gelegentlich einen Blick in den Cache-Speicher bzw. den Verlaufsordner des Internet-Browsers werfen. Der Cache ist unter dem verbreiteten Betriebssystem "Windows 95/98" beim Internet Explorer im Verzeichnis "C:\Windows\Temporary Internet Files" zu finden. Beim Netscape Communicator lautet der Pfad bei einer standardmäßigen Installation "C:\Programme\Netscape\Users\Default\Cache". Der Verlaufsordner ist im Internet Explorer über das Symbol "Verlauf" einzusehen, beim Netscape Communicator wird er auch in der deutschen Version mit "History" bezeichnet. Aber: Durch einen einfachen Mausklick an der richtigen Stelle lassen sich bei beiden Browsern schnell jegliche verräterische Spuren verwischen. Ob diese Überwachung in Anwesenheit der Kinder bzw. Jugendlichen oder ohne deren Wissen erfolgt, sollte von den Eltern in eigener Verantwortung entschieden werden. Ein pauschales Rezept gibt es aus meiner Sicht nicht. Ehrlicher ist es jedoch, dies nicht hinter dem Rücken der Zöglinge zu tun. Aber man muss die Kontrolle ja nicht immer langfristig vorher ankündigen ... BR-online: Welche Gründe oder welches Verhalten des Kindes könnten dafür sprechen, sich einen Überblick über das Online-Verhalten eines Kindes zu verschaffen? Wißgott: Wenn im Ordner für eingegangene Emails plötzlich massenweise Werbe-Emails mit pornografischem Inhalt gefunden werden, ist es ein Zeichen dafür, dass irgendein Familienmitglied (hoffentlich nicht der Vater selbst) entsprechende Internetseiten oder Chaträume besucht und dort leichtsinnigerweise seine Email-Adresse hinterlassen hat. Ein weiteres Indiz könnte sein, wenn der Sohn oder die Tochter plötzlich hektisch mit der Maus herumklickt oder gar schnell den Bildschirm ausschaltet, wenn ein Elternteil das Zimmer betritt. BR-online: Was soll ich tun, wenn ich feststelle, dass mein Kind jugendgefährdende oder gar verbotene Seiten im Web besucht? Was ist zu empfehlen, wenn sich beispielsweise ein 14jähriger Sohn pornographische Bilder im Web ansieht? Wie verhalte ich mich andererseits, wenn meine 16jährige Tochter Online-Publikationen rechtsradikaler Gruppen verfolgt oder gar per E-Mail mit verbotenen Organisationen in Kontakt tritt? Wißgott: In diesen Fällen würde ich einem vertrauensvollen und konstruktiven Elterngespräch den Vorrang vor restriktiven Maßnahmen wie Computer-Verbot oder Abmeldung des Internetzugangs einräumen. Die oben angesprochenen Kontrollmöglichkeiten sollten jetzt aber deutlich intensiver genutzt werden. BR-online: Viele Eltern sind selbst mit dem Medium Internet kaum vertraut und durch verschiedenste Medienberichte zusätzlich verunsichert. Was raten Sie solchen Eltern, wenn deren Kinder Zugang zum Internet möchten? Wißgott: Man kann nur das richtig beurteilen, was man selber kennt. Als ersten Schritt würde ich diesen Eltern also raten, sich selbst mit der Materie vertraut zu machen. Sowohl die Volkshochschulen als auch die Bürgernetzvereine bieten hier erschwingliche Kurse vor Ort oder zumindest in erreichbarer Nähe an. Das Literaturstudium ist meist ein trockener und weniger erfolgversprechender Weg. Auch ein Gespräch mit dem Lehrer des Kindes bzw. des Jugendlichen kann durchaus hilfreich sein - sofern dieser selbst Erfahrungen mit dem Internet besitzt. Nicht zuletzt können sich interessierte Eltern auch zu einer Art Interessengemeinschaft zusammenschließen und im größeren Kreis zur Thematik Erfahrungen sammeln bzw. austauschen. BR-online: Zugang zum Web ist immer auch mit Kosten verbunden - Telefonkosten, Providergebühren, etc. Was raten Sie: Sollen die Jugendlichen sich daran beteiligen müssen, und wenn ja, in welchem Umfang? Wißgott: Beides würde ich vom Alter der Kinder bzw. Jugendlichen und den sonstigen Umständen (Nutzungsverhältnis Eltern/Kinder, Höhe des Taschengelds) abhängig machen. Prinzipiell ist dieser Vorschlag jedoch zu begrüßen, da Kinder hierdurch mehr Verantwortung lernen und ein gewisses Problembewusstsein geweckt wird, wenn der eigene Geldbeutel bzw. die Sparbüchse betroffen ist. Eventuell sollte mit einer Einführung einer Beteiligung auch eine maßvolle Anhebung des Taschengeldes einhergehen. Dann wäre der Nachwuchs nicht zu stark belastet und könnte andererseits durch überlegtes Verhalten sogar zum Sparen angeleitet werden. BR-online: Würden sie Eltern raten, die Online-Zeiten Ihrer Kinder pauschal auf ein gewisses Maß zu begrenzen? Kann möglicherweise eine Art "Altersstaffelung" wie bei "Taschengeld-Tabellen" sinnvoll sein?" Wißgott: Auch dies würde ich vom Alter der Kinder bzw. Jugendlichen und den sonstigen Umständen abhängig machen. Interessiert sich ein Jugendlicher für "sinnvolle" Themen und nutzt dabei das Internet zur Recherche, so ist dies sicherlich anders zu bewerten als irgendwelche Online-Spielchen. Grundsätzlich hat aber ein gewisses zeitliches Limit schon seine Berechtigung. BR-online: Welche besonderen Anforderungen stellt das Internet in der Medienerziehung an Eltern und Lehrer im Vergleich zu herkömmlichen Medien wie Zeitschriften und Fernsehen? Wißgott: Sie müssen selbst darüber Bescheid wissen und sie müssen die damit verbundenen Gefahren kennen und ihnen wirksam begegnen können. Sie sollten aber auch den Wert des Internets erkennen und den sinnvollen Umgang damit in entsprechender Weise fördern. BR-online: Was können Sie Eltern raten, die sich mit diesem Thema überfordert fühlen, Ihrem Kind aber den Umgang mit dem Netz ermöglichen wollen? Sind Informatiklehrer an den Schulen gute Ansprechpartner oder empfehlen sie andere Adressen? Wißgott: Ich hoffe, dass die Informatiklehrer der Kinder gute Ansprechpartner für die Eltern sind oder es zumindest in absehbarer Zeit werden. Dies ist für mich als Fachberater für Informatik in meinem Zuständigkeitsbereich ein wichtiges Aufgabenfeld und auch meine persönliche Zielsetzung. |